Washingtons Hypothek
Kredit 08 May, 2009Warum hat niemand den Subprime-Wahn gestoppt? Ein Verdacht drängt sich auf: Weil US-Politik und Hausfinanzierer zu eng verwoben waren.
Roland Arnall gab nicht nur den Häuslebauern. Er gab auch den Politikern. Der Republikaner George W. Bush durfte sich über 263.000 $ freuen, die Demokraten gar über 1,57 Mio $. Für Arnall war das kein Problem. Seine Firma Ameriquest setzte Dutzende Milliarden jährlich mit Subprime-Krediten um – Hypothekendarlehen für Menschen, die sich eigentlich kein Haus leisten konnten. Dass die Firma 2006 ein Bußgeld von 325 Mio. $ zahlen musste, weil sie Kunden getäuscht, Dokumente gefälscht und Gutachter unter Druck gesetzt hatte – Arnall konnte es egal sein. US-Präsident Bush hatte ihn da bereits als Botschafter in die Niederlande geschickt.
Der Fall Arnall steht stellvertretend für die Verflechtung von Hypothekenindustrie und Politik während der Subprime-Jahre. Einer neuen Studie der US-Journalistenorganisation CPI zufolge verliehen die 25 größten amerikanischen Hausfinanzierer von 2005 bis 2007 nahezu 1000 Mrd. $ an rund fünf Millionen Kreditnehmer – viele von ihnen mittlerweile zwangsenteignet. Parallel dazu spendeten die meisten Hypothekenkonzerne großzügig an die Parteien.
Ein Beispiel: Wells Fargo vergab zwischen 2005 und 2007 Subprime-Kredite im Wert von 51 Mrd. $ – und machte fast 18 Mio. $ für Washington locker. Republikaner und Demokraten profitierten gleichermaßen. Größter Einzelempfänger mit 201.000 $: ein gewisser Barack Obama.
Zuwendungen in zweistelliger Millionenhöhe seien keine Seltenheit gewesen, schreibt CPI. Ziel: Gesetze zu verhindern, die die exzessive Kreditvergabe hätten eindämmen können. Alles in allem gab die Finanzbranche in den letzten zehn Jahren 3,5 Mrd. $ für politische Lobbyarbeit und 2,2 Mrd. $ an Wahlkampfspenden aus, zeigen Berechnungen einer anderen unabhängigen Forschungsgruppe, des Center for Responsive Politics.
Die Rechnung für die Hypothekenorgie wird nun beiden präsentiert – Finanzbranche und Politik. Laut CPI-Analyse standen hinter wenigstens 21 der 25 großen Subprime-Firmen jene Banken, die mittlerweile mit US-Steuergeld gestützt werden. Dazu zählen neben Wells Fargo auch die Citigroup, die Bank of America und JP Morgan. Auch dieses Trio spendete einst eifrig.
Haben die Beteiligten aus ihren Fehlern gelernt? Nicht unbedingt, meinen die Autoren der CPI-Studie. Noch seien all jene Bestimmungen in Kraft, die dazu beitrugen, die Subprime-Krise anzufachen. Abhilfe könne allerdings ein Gesetzentwurf schaffen, den der Demokrat Barney Frank jüngst vorgelegt hat.
Ameriquest, immerhin, braucht die neuen Regeln nicht mehr zu fürchten. Die Firma ist inzwischen dicht. Und Gründer Arnall? Erlag im März letzten Jahres einem Krebsleiden.
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