Der Staat als Hypothek

Kredit 10 January, 2010

tf. Wien ⋅ Im abgelaufenen Kalenderjahr haben sich zwar auch südosteuropäische Aktienmärkte wie Zagrebs Börse wieder etwas Luft verschaffen können. Wie der Kursverlauf des kroatischen Leitindexes Crobex zeigt, fiel die Erholung mit einem Plus von knapp 15% aber weniger imposant aus als an den meisten westeuropäischen Börsenplätzen. Verantwortlich hierfür sind nicht zuletzt staatliche Hypotheken: So kämpft die Regierung seit dem abrupten Versiegen ausländischer Kapitalzuflüsse mit schwacher Liquidität, und die strukturellen Probleme der heimischen Wirtschaft – etwa der aufgeblähte Staatsapparat, die hohe Aussenschuld und das überteuerte Renten- und Gesundheitssystem – hinterlassen auch auf dem Börsenparkett ihre Spuren.
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Taumelnde Baubranche

Die grössten Verlierer des vergangenen Aktienjahres sind Kroatiens Bauunternehmen, die 16% des Crobex spiegeln und das Kalenderjahr mit schweren Kursverlusten abschliessen. Der Grund: Konfrontiert mit sinkenden Steuereinnahmen und budgetären Engpässen, hat die Regierung den Rotstift nicht zuletzt bei Infrastrukturprojekten angesetzt. Zusammen mit der Abkühlung des zuvor boomartig gewachsenen Wohnungsbaus kam dies für die Baufirmen einem herben Rückschlag gleich. Weit erfolgreicher – und weniger von öffentlichen Aufträgen abhängig – entwickelten sich die im Crobex ebenfalls gewichtig vertretenen Unternehmen aus den Sektoren Telekom (T-Hrvatski Telekom), Tabak und Tourismus (Adris Grupa) und Erdöl (INA).

In recht robuster Verfassung hat bisher der Bankensektor, der zu 90% von ausländischen Konzernen kontrolliert wird, die Krise durchstanden. Der Branche kommt zugute, dass die Zentralbank bereits in Zeiten, als noch kaum jemand vor den Gefahren des rasanten Kreditwachstums warnte, dämpfend auf die Kreditvergabe der Geschäftsbanken einwirkte, etwa mit teuren Reservevorschriften ab einem jährlichen Kreditwachstum von 12%. Was in den Boomjahren von vielen Finanzhäusern als unnötige Schikane kritisiert wurde, hat zweifellos zur Begrenzung des Bestands an Problemkrediten beigetragen – eines von vielen Beispielen für den besonnenen Kurs von Kroatiens Zentralbank.
Hoffen auf die EU

Ein Schlüsselproblem des Aktienmarktes bleiben die tiefe Liquidität und die entsprechend hohe Volatilität. Im Zuge der Finanzkrise und der faktisch zum Erliegen gekommenen IPO-Aktivitäten sind die Handelsvolumina um rund drei Viertel eingebrochen. Im abgelaufenen Jahr resultierte pro Tag gerade noch ein durchschnittliches Volumen von 6 Mio. $, wobei als Käufer vor allem institutionelle Investoren wie die vier grossen Pensionsfonds des Landes auftraten. Etwas Rückenwind könnten 2010 die nach langer politischer Blockade wieder in Gang gekommenen EU-Beitritts-Verhandlungen liefern.

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