Commerzbank: Gut verhandelt
Kredit 07 May, 2009Man reibt sich verwundert die Augen: Musste EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes wirklich so viel streiten, um am Ende ein so mickriges Ergebnis zu präsentieren? Klar: Eine künftig um 45 Prozent kleinere Bilanzsumme der Commerzbank klingt erst einmal nach Erfolg. Doch kräftig schrumpfen lassen wollte Commerzbank-Chef Martin Blessing sein Haus nach dem Dresdner-Kauf ohnehin. Jetzt kann er zusätzlich mit Rückendeckung der EU die schwer angeschlagene Hypothekenbank Eurohypo abspalten.
Blessing war nie ein Freund der Immobilien- und Staatsfinanzierung. Böse Zungen behaupten gar, die Bank wurde 2005 von seinem Vorgänger Klaus-Peter Müller nur gekauft, um im Falle einer späteren Übernahme mehr Gewicht auf die Waage zu bringen. Und bis dahin nicht selbst geschluckt zu werden.
Nach dem Kollaps der Finanzmärkte und der Immobilienkrise ist das Geschäftsmodell der Eurohypo aber weitgehend passé. Was könnte es also Schöneres geben, als sich von ihr zu trennen – und die EU dafür verantwortlich zu machen? Ähnliches gilt für die anderen geforderten Abspaltungen: etwa die kleinen Private-Banking-Töchter der Dresdner Bank, also das Bankhaus Reuschel oder Kleinwort Benson. Die meisten hat Blessing ohnehin auf den Prüfstand gestellt, zum Teil läuft bereits der Verkauf. Blanker Hohn ist schließlich das von der EU auferlegte Verbot von Zukäufen in den nächsten drei Jahren. Woher, fragt man sich, soll eine Bank, die den Staat um 18 Milliarden Euro anbetteln muss, dafür das Geld nehmen?
Unter dem Strich haben Blessing und der Bund an seiner Seite sehr gut verhandelt. Das gilt umso mehr, weil das wachstumsträchtige Osteuropa-Geschäft, das zeitweise von Kroes auch infrage gestellt wurde, an Bord bleibt.
Für Euphorie besteht dennoch kein Anlass. Denn kurz- und mittelfristig steht die Commerzbank weiter vor den gleichen Problemen: hohe Risiken aus strukturierten Produkten der Dresdner Bank, ein Anstieg der faulen Kredite in der Bilanz sowie die Herkules-Aufgabe der Integration. Und der Mühlstein Eurohypo lässt sich vorerst am Markt gar nicht verkaufen. In fünf Jahren könnte dies allerdings anders ausschauen. Und mit dem Erlös ließe sich dann schon mal ein guter Teil der Staatshilfen zurückzahlen.
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