Washingtons Hypothek

Kredit Kein Kommentar »

Warum hat niemand den Subprime-Wahn gestoppt? Ein Verdacht drängt sich auf: Weil US-Politik und Hausfinanzierer zu eng verwoben waren.

Roland Arnall gab nicht nur den Häuslebauern. Er gab auch den Politikern. Der Republikaner George W. Bush durfte sich über 263.000 $ freuen, die Demokraten gar über 1,57 Mio $. Für Arnall war das kein Problem. Seine Firma Ameriquest setzte Dutzende Milliarden jährlich mit Subprime-Krediten um - Hypothekendarlehen für Menschen, die sich eigentlich kein Haus leisten konnten. Dass die Firma 2006 ein Bußgeld von 325 Mio. $ zahlen musste, weil sie Kunden getäuscht, Dokumente gefälscht und Gutachter unter Druck gesetzt hatte - Arnall konnte es egal sein. US-Präsident Bush hatte ihn da bereits als Botschafter in die Niederlande geschickt.

Der Fall Arnall steht stellvertretend für die Verflechtung von Hypothekenindustrie und Politik während der Subprime-Jahre. Einer neuen Studie der US-Journalistenorganisation CPI zufolge verliehen die 25 größten amerikanischen Hausfinanzierer von 2005 bis 2007 nahezu 1000 Mrd. $ an rund fünf Millionen Kreditnehmer - viele von ihnen mittlerweile zwangsenteignet. Parallel dazu spendeten die meisten Hypothekenkonzerne großzügig an die Parteien.

Ein Beispiel: Wells Fargo vergab zwischen 2005 und 2007 Subprime-Kredite im Wert von 51 Mrd. $ - und machte fast 18 Mio. $ für Washington locker. Republikaner und Demokraten profitierten gleichermaßen. Größter Einzelempfänger mit 201.000 $: ein gewisser Barack Obama.

Zuwendungen in zweistelliger Millionenhöhe seien keine Seltenheit gewesen, schreibt CPI. Ziel: Gesetze zu verhindern, die die exzessive Kreditvergabe hätten eindämmen können. Alles in allem gab die Finanzbranche in den letzten zehn Jahren 3,5 Mrd. $ für politische Lobbyarbeit und 2,2 Mrd. $ an Wahlkampfspenden aus, zeigen Berechnungen einer anderen unabhängigen Forschungsgruppe, des Center for Responsive Politics.

Die Rechnung für die Hypothekenorgie wird nun beiden präsentiert - Finanzbranche und Politik. Laut CPI-Analyse standen hinter wenigstens 21 der 25 großen Subprime-Firmen jene Banken, die mittlerweile mit US-Steuergeld gestützt werden. Dazu zählen neben Wells Fargo auch die Citigroup, die Bank of America und JP Morgan. Auch dieses Trio spendete einst eifrig.

Haben die Beteiligten aus ihren Fehlern gelernt? Nicht unbedingt, meinen die Autoren der CPI-Studie. Noch seien all jene Bestimmungen in Kraft, die dazu beitrugen, die Subprime-Krise anzufachen. Abhilfe könne allerdings ein Gesetzentwurf schaffen, den der Demokrat Barney Frank jüngst vorgelegt hat.

Ameriquest, immerhin, braucht die neuen Regeln nicht mehr zu fürchten. Die Firma ist inzwischen dicht. Und Gründer Arnall? Erlag im März letzten Jahres einem Krebsleiden.

Eine Hypothek für Europa

Kredit Kein Kommentar »

Das Blutbad, das ein schwerbewaffnetes Kommando in Bilge angerichtet hat, ist eines der schlimmsten Einzelverbrechen in der jüngeren Geschichte der Türkei. Laut Innenminister Atalay ging es um eine Familienfehde, ohne terroristischen Hintergrund, um eine Tragödie im privaten Bereich sozusagen. Verständlich, dass die türkische Regierung den Fall gerne derart heruntergespielt dargestellt wissen möchte.

Aber die Umstände werfen doch ein grelles Licht auf ein Land, das seit langem Kandidat für die Mitgliedschaft in der EU ist und ganz konkret über Beitrittsbedingungen verhandelt.

Blutrache, archaischer Rest und radikaler Gegensatz zum Rechtsstaat, ist in diesem Teil der Welt üblich. Die Opfer sind Kurden, deren Rechte mit Füßen getreten werden. Unmittelbar nach dem Morden wurde das Dorf Bilge nicht von Sicherheitskräften umstellt, sondern von paramilitärischen Gruppen, die vom Militär mit Waffen versorgt werden, um die Kurden in Schach zu halten. Gegenüber den Medien wurde refelexartig eine Nachrichtensperre verhängt. Der mutmaßliche Blutracheanschlag ist also nicht irgendein Ereignis in der südosttürkischen Provinz.

Er hat eine weit komplexere - und politischere - Dimension, als viele glauben machen wollen. Ginge es nach der Regierung, so wäre die Türkei nicht in fernen zehn, zwanzig Jahren, sondern schon so um das Jahr 2015 in der Union. Umso irritierender ist es, dass die EU-Kommission in Brüssel, die in diesem Fall für die gesamte EU spricht, nicht mehr als drei (!) kurze Sätze des Bedauerns für die Opfer übrig hat. Mag sein, dass dies mit dem vor der Tür stehenden Termin der EU-Wahlen zu tun hat. Vor solchen Anlässen neigt die EU-Zentralbehörde zu übergroßer Vorsicht, noch dazu, wenn es um den wahrscheinlich ohnehin umstrittensten EU-Beitrittskandidaten geht, der selber meist überaggressiv auf unangenehme Forderungen reagiert.

So verständlich das ist, so falsch ist es. Denn ob man ein Anhänger der raschen EU-Erweiterung ist oder nicht, ob man die türkische Bevölkerung für reif hält, bald in die europäische Gemeinschaft einzutreten, oder nicht: Das Thema liegt übergroß auf dem Tisch. Die EU-Gegner und die Radikalen von Rechts und Links werden es im Wahlkampf genüsslich ausschlachten, vermutlich mit Erfolg. Denn viele Bürger werden nun sagen: Der Kopf sagt Ja, aber der Bauch sagt Nein, wir wollen kein EU-Partnerland, in dem Blutrache und paramilitärische Gruppen ein gesellschaftlicher Normalfall sind.

Umso notwendiger wäre es, dass die verantwortlichen EU-Stellen gerade jetzt erklären, dass sie das genauso sehen und warum der Prozess der Annäherung der Türkei an die EU - mit der Perspektive des Beitritts - gerade deshalb so wichtig ist. Er ist unweigerlich und unverhandelbar damit verbunden, dass der Kandidatenstaat dafür sorgt, rechtsstaatliche Prinzipien, Menschenrechte in Theorie und Praxis zu garantieren. Ganz konkret: Die türkische Regierung hat den EU-Partnern zu sagen, was sie zu tun gedenkt, um Blutrache und Faustrecht zu bekämpfen und zu beenden. Brüssel sollte das sogar mit einem Hilfsprogramm finanziell unterstützen. Gut angelegtes Geld.

So hat das in der Geschichte der Union immer funktioniert. Ehemalige Militärdiktaturen wie Griechenland, Spanien und Portugal sind so (1981 und 1986) zu tragenden Partnern geworden, vor fünf Jahren die exkommunistischen Länder Osteuropas. Ob das mit der Türkei einmal gelingen wird, ist schwer abzusehen. Aber eines ist sicher: Zu den wichtigsten Fragen zu schweigen ist fahrlässig. So überlässt man den Gegnern der Türkei - und letztlich der EU - allzu billig das Feld. Und verspielt am Ende die Chance, den Raum von Freiheit und Recht auszudehnen. (Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 6.5.2009)

Millionenvilla für 1000 Franken im Monat

Kredit Kein Kommentar »

Dank tiefer Hypothekarzinsen ist privates Wohneigentum für viele Leute erschwinglich geworden. Aber es gilt dennoch: Zuerst sorgfältig budgetieren, erst dann kaufen.

Ein hübsches Haus für eine Million Franken besitzen und doch nur Zinsen von weniger als 1000 Franken im Monat zahlen? Was wie ein Märchen klingt, ist dank rekordtiefer Zinsen derzeit möglich, theoretisch zumindest. So sieht die Rechnung aus: Bei 200′000 Franken Eigenkapitaleinsatz muss der Käufer eine Hypothek über 800′000 Franken aufnehmen. Der Geldmarktzins Libor lag Ende letzter Woche bei 0,4 Prozent; zuzüglich einer Kundenmarge von 0,7 Prozent kostet eine Libor-Hypothek also nur 1,1 Prozent. Bei einer Hypothek über 800′000 Franken entspricht dies jährlichen Zinsen von 8800 Franken oder nur 733 Franken pro Monat.

Dem Eigenheimmarkt scheint sich dank dieser Konstellation tatsächlich ein neues Segment Käufer zu erschliessen. Adrian Wenger, Finanzierungsberater beim VZ (Vermögenszentrum), sagt dazu: «Es kommen vermehrt Kunden, die zuvor Mieter waren, aber derzeit keine passende Wohnung zu einem zahlbaren Preis finden.» Wenn sie die Zinsrechnung anhand einer Eigentumswohnung aufstellen, realisieren sie rasch einmal, dass sie Kaufen günstiger kommt als Mieten.

Wo liegt die Schmerzgrenze?

Natürlich hat die Sache einen grossen Haken, und zwar insofern, als jede Immobilie nicht nur gerade jetzt, sondern langfristig finanzierbar sein muss. «Der Libor kann sehr schnell auf fünf oder sechs Prozent steigen», warnt Adrian Wenger vom VZ. Eine Libor-Hypothek auf Basis des 3-Monats-Libors erfährt, wie der Name sagt, alle drei Monate eine Zinsanpassung an den aktuellen Geldmarkt. In Phasen steigender Zinsen können die Kosten im Nu die Schmerzgrenze erreichen. Für Haushalte, die keine grossen finanziellen Reserven haben, kommt ein Kauf mit einer solchen Geldmarkthypothek gar nicht erst in Betracht. «Für solche Kunden ist die Sicherheit von Festhypotheken das Richtige», so Wenger.

Nur wer die Risiken tragen kann, oder sie mit Zinsabsicherungen limitiert, sollte die Variante mit Libor-Hypotheken ernsthaft prüfen. Erstaunlicherweise findet das Produkt aber nach wie vor wenig Verbreitung - nicht zuletzt weil es von den Banken gar nicht gross beworben wird. Die Vermutung liegt nahe, dass viele Bankberater ihren Kunden die etwas teureren Festhypotheken ans Herz legen - wenn die Bank auf der Passivseite Spargelder zum Beispiel zu 0,5 Prozent verzinst, gewährt sie lieber eine Festhypothek zu 2,5 statt eine Libor-Hypothek zu 1,1 Prozent.

Wer von den tiefen Geldmarktzinsen profitieren will, sollte auf Libor-Hypotheken setzen und nicht etwa auf kurzfristige Festhypotheken von ein bis zwei Jahren Vertragsdauer. Denn diese sind deutlich teurer und bieten doch nur eine zeitlich sehr begrenzte Sicherheit. Wenn schon Festhypotheken sind jetzt solche mit langen Laufzeiten das Gebot der Stunde - jedenfalls für alle, denen an Budgetsicherheit gelegen ist. In der Regel ist es zweckmässig, unterschiedliche Laufzeiten zu staffeln und damit die Chancen und Risiken besser zu «diversifizieren». Auch die klassische variable Hypothek kann im Rahmen einer Gesamtstrategie sinnvoll sein, vor allem der Flexibilität wegen. Wer Amortisationen leisten will oder an einen Verkauf denkt, ist damit gut bedient.

Im Übrigen sind die üblichen «goldenen Regeln» in der Hausfinanzierung zu beachten. Das heisst: Mindestens 20 Prozent mit Eigenkapital finanzieren und darauf achten, dass die regelmässigen Kosten für Zinsen, Amortisationen und Nebenkosten nicht mehr als ein Drittel des Bruttoeinkommens ausmachen. Für diese Tragbarkeitsrechnung sollte man unbedingt einen langfristigen Durchschnittszins von 5 Prozent einsetzen. Als grobe Orientierungshilfe eignet sich auch die 6-Prozent-Regel, wonach ein Haus längerfristig inklusive Zinsen und Nebenkosten etwa 6 Prozent des Kaufpreises kostet.
(Tages-Anzeiger)

Heidenreich-Nachfolger gehen auf Sendung

Kredit Kein Kommentar »

“Die Vorleser” statt “Lesen!”: Im Sommer zeigt das ZDF erstmals seine neue Literatursendung mit Amelie Fried und Ijoma Mangold - Analogien zum fast gleichnamigen Schlink-Bestseller sind ausdrücklich nicht gewollt.

Am 10. Juli strahlt das ZDF erstmals sein neues Literaturmagazin “Die Vorleser” aus. Moderatoren sind Amelie Fried und Ijoma Mangold: eine fernseherfahrene Bestsellerautorin und ein vergleichsweise junger, aber schon anerkannter Literaturkritiker - für eine Sendung, die nicht nur Elke Heidenreichs “Lesen!”, sondern auch das “Literarische Quartett” beerbt, eine beinahe schon ideale Kombination aus Popularität und Anspruch.

Ein Bezug des Titels zu “Der Vorleser”, dem Roman von Bernhard Schlink, sei nicht gewollt, so ein Sprecher des ZDF auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. Tatsächlich wäre eine derartige Analogie für eine Literatursendung im deutschen Fernsehen eine gewisse Hypothek: Schlinks Buch dreht sich um das Verhältnis eines jungen Mannes zu einer früheren KZ-Wärterin.
Es gehe beim Titel “Die Vorleser” vielmehr darum, zu verdeutlichen, dass beide Moderatoren die Bücher vor ihren Zuschauern lesen würden - auch vorgelesen werden solle in der Sendung nicht unbedingt, so das ZDF.

Den titelgebenden Imperativ der Vorgängersendung “Lesen!” dagegen hatte man immer wörtlich nehmen dürfen: Deren Moderatorin Elke Heidenreich gefiel sich so sehr in der Rolle der Buchtipps gebenden besten Freundin ihrer Zuschauer, dass die Buchbranche beinahe kollektiv in Panik geriet, als “Lesen!” im Herbst 2008 nach einem Streit Heidenreichs mit dem ZDF ins Internet umziehen musste.

ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut sagte, Fried und Mangold seien zwei Gesichter, “die engagiert und glaubwürdig Lust auf Lesen machen werden”. “Die Vorleser” wird im Hamburger Hafen aufgezeichnet und soll sechs- bis achtmal im Jahr ausgestrahlt werden.
Amelie Fried, geboren 1958, moderiert seit 1998 zusammen mit dem “Zeit”-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo die Talkshow “3
nach 9″ . Außerdem hat sie Unterhaltungsromane wie “Traumfrau mit Nebenwirkungen” geschrieben.

Ijoma Mangold (Jahrgang 1971) war Literaturredakteur der “Süddeutschen Zeitung” und wechselte im April 2009 ins Feuilleton der “Zeit”.

Staat soll bald wieder Schiedsrichter sein

Kredit Kein Kommentar »

Tauberbischofsheim. Seit Juni 2008 ist Gerhard Stratthaus nicht mehr baden-württembergischer Finanzminister, allerdings immer noch Mitglied des Landtags und Mitglied des Leitungsausschuss des Finanzmarktstabilisierungsfonds (Soffin) - also nach wie vor ein kompetenter Ansprechpartner in Finanzfragen. Grund genug für den Wirtschaftsrat Deutschland, Sektion Main-Tauber, den CDU-Politiker am Dienstag zu einem Vortrag in die Sparkasse Tauberfranken einzuladen. Dort referierte Stratthaus vor rund 100 Besuchern über das Thema “Soziale Marktwirtschaft in der Krise: Wie viel Staat können wir uns erlauben?”.

Die Frage beantwortete der 67-Jährige zum Ende seines knapp einstündigen Referats: Der Staat sollte alsbald wieder seine Rolle Spieler verlassen und wieder als Schiedsrichter fungieren. Derzeit habe der Staat eine Heldenrolle inne, weil er mit großzügigen Finanzspritzen sowohl Banken als auch Unternehmen rettet und mit Hilfe von Konjunkturprogrammen die Wirtschaft wieder ankurbeln will. Allerdings sei der Staat nach wie vor nicht der bessere Banker und es sei auch nicht seine primäre Aufgabe, den Wettbewerb zu schaffen, aber seine Rahmenbedingungen.

Stratthaus schlug die Brücke zur Wirtschaftskrise der 20er und 30er Jahre und zeigte auf, inwiefern man aus alten Fehlern lernen sollte. Es sei nicht richtig gewesen, damals Banken pleite gehen zu lassen. Der Politiker verteidigte die Entscheidung der Bundesregierung, Kreditinstituten Gelder zur Verfügung zu stellen, damit der Finanzstrom weiter fließen kann. “Das muss erhalten bleiben, ähnlich dem Blut im Körper”, verglich Stratthaus anschaulich. Aber: Man dürfe nicht die selben Fehler machen wie der eigentlichen Verursacher der Finanzmarktkrise, als den Stratthaus ganz klar die USA deklarierte. Jahrelang habe man dort auf Kosten der anderen gelebt und sich nur so lange über Wasser halten können, weil der Dollar die Leitwährung ist.

Das Verschulden der Menschen sei schon seit vielen Jahren, allerdings nachdrücklicher nach dem 11. September 2001 aus Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung von der US-Notenbank gefördert worden. Gespart worden sei so gut wie nichts, dafür sei vor allem Wohneigentum gefördert worden.

Noch nicht abbezahlte Häuser seien durch weitere Hypotheken belastet worden, damit sich der Eigentümer noch das schöne Auto oder den Traumurlaub leisten könne. Kreditzinsen seien in den USA sogar steuerlich absetzbar, als einziges Pfand sei das Haus übrig geblieben, das der Schuldner beim Handtuchwerfen einfach der Bank überlassen habe, ohne selbst zu haften - anders als in Deutschland.

Die Banken wiederum hätten ihre Kredite gebündelt und als “commercial papers” an der Börse weiterverkauft. “Übrigens auch an viele deutsche Banken”, sagte Stratthaus im Blick unter anderem auf die Bayerische Landesbank. Jahrelang habe in den USA der Spruch gegolten, Banken seien “too big to fail”, in deutsch: zu groß zum umfallen. Die Lehmann Brothers-Bank war dann aber die erste, die aufgrund der immer größer werdenden Blase an Krediten, denen kein tatsächlicher Wert mehr gegenüber steht, weil der Gegenstand mittlerweile völlig überbewertet war, trotzdem umgefallen ist.

Vertrauen ist am wichtigsten
Und damit eine Lawine ausgelöst hat: Keine Bank traute mehr der anderen, Kredite wurden nicht mehr gegeben. “Das Wort ,Kredit’ kommt vom lateinischen ,credere’, was ,glauben’ bedeutet. Vertrauen ist also der wichtigste Begriff in der Finanzpolitik. Ist kein Vertrauen mehr vorhanden, geht nichts mehr”, skizzierte der CDUler den Hergang der Krise.

Als Maßnahme habe der deutsche Staat mittlerweile Garantien in Höhe von 400 Milliarden Euro für Banken zugesagt sowie weitere 80 Milliarden an Eigenkapitalzulagen. Bislang seien 150 Milliarden Euro davon geflossen. Noch offen sei die Frage, was mit den sogenannten “toxischen Papieren” passiere - die Papiere, die in der Realität weit vom Nennwert abweichen.

Von der Schaffung einer eigenen “bad bank”, die diese Papiere verwaltet, sei in diesem Moment in Berlin die Rede, während er hier spreche, und eigentlich sollte auch Stratthaus an der Sitzung teilnehmen. “Aber was ist schon Berlin gegen die Sparkasse Tauberbischofsheim”, scherzte Stratthaus.

Auf alle Fälle dürfe auf Dauer nicht der “Teufel mit dem Beelzebub” ausgetrieben werden, wie der Politiker das derzeitige Schuldenmachen des Staates beschrieb. Das sei vorübergehend okay, solle aber nicht zur Regel werden. Wohin das führe, könne man an den USA sehen.

Als Lehre für die Zukunft solle gezogen werden, dass nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Banken sich selbst auf die Probe stellten sollten und vor Neuordnungen nicht zurückweichen dürfen. Vor allem gelte das für die Landesbanken, deren Kapazitäten zurückgefahren werden müssten. Der Finanzmarkt werde bis zum Ende des Jahres wieder einigermaßen im Kurs sein, die Unternehmen bräuchten aber wohl noch einige Jahre.

“In Zukunft müssen wir im Wettbewerb besser sein. Billiger werden können wir wohl nicht”, schloss Stratthaus seinen Vortrag, dem sich eine rege Diskussion anschloss.

Commerzbank: Gut verhandelt

Kredit Kein Kommentar »

Man reibt sich verwundert die Augen: Musste EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes wirklich so viel streiten, um am Ende ein so mickriges Ergebnis zu präsentieren? Klar: Eine künftig um 45 Prozent kleinere Bilanzsumme der Commerzbank klingt erst einmal nach Erfolg. Doch kräftig schrumpfen lassen wollte Commerzbank-Chef Martin Blessing sein Haus nach dem Dresdner-Kauf ohnehin. Jetzt kann er zusätzlich mit Rückendeckung der EU die schwer angeschlagene Hypothekenbank Eurohypo abspalten.
Blessing war nie ein Freund der Immobilien- und Staatsfinanzierung. Böse Zungen behaupten gar, die Bank wurde 2005 von seinem Vorgänger Klaus-Peter Müller nur gekauft, um im Falle einer späteren Übernahme mehr Gewicht auf die Waage zu bringen. Und bis dahin nicht selbst geschluckt zu werden.
Nach dem Kollaps der Finanzmärkte und der Immobilienkrise ist das Geschäftsmodell der Eurohypo aber weitgehend passé. Was könnte es also Schöneres geben, als sich von ihr zu trennen - und die EU dafür verantwortlich zu machen? Ähnliches gilt für die anderen geforderten Abspaltungen: etwa die kleinen Private-Banking-Töchter der Dresdner Bank, also das Bankhaus Reuschel oder Kleinwort Benson. Die meisten hat Blessing ohnehin auf den Prüfstand gestellt, zum Teil läuft bereits der Verkauf. Blanker Hohn ist schließlich das von der EU auferlegte Verbot von Zukäufen in den nächsten drei Jahren. Woher, fragt man sich, soll eine Bank, die den Staat um 18 Milliarden Euro anbetteln muss, dafür das Geld nehmen?
Unter dem Strich haben Blessing und der Bund an seiner Seite sehr gut verhandelt. Das gilt umso mehr, weil das wachstumsträchtige Osteuropa-Geschäft, das zeitweise von Kroes auch infrage gestellt wurde, an Bord bleibt.
Für Euphorie besteht dennoch kein Anlass. Denn kurz- und mittelfristig steht die Commerzbank weiter vor den gleichen Problemen: hohe Risiken aus strukturierten Produkten der Dresdner Bank, ein Anstieg der faulen Kredite in der Bilanz sowie die Herkules-Aufgabe der Integration. Und der Mühlstein Eurohypo lässt sich vorerst am Markt gar nicht verkaufen. In fünf Jahren könnte dies allerdings anders ausschauen. Und mit dem Erlös ließe sich dann schon mal ein guter Teil der Staatshilfen zurückzahlen.

Wall Street: Mut zum Stress-Test

Kredit Kein Kommentar »

New York (BoerseGo.de) - Die Wall Street zeigt immer wieder mal ein Talent für verblüffende Reaktionen, so auch heute. Das marktbeherrschende Thema waren wohl die Ergebnisse der Stress-Tests für die Großbanken. Die offiziellen Angaben werden zwar erst für morgen Abend erwartet, sind aber angeblich schon teilweise durchgesickert.

34 Milliarden Dollar? Kein Thema!

Auf den ersten Blick verblüfft etwa der heutige Kurssprung der Bank of America. Der Finanz-Titel war mit einem Tagesgewinn von 17,1 Prozent der heutige Top des Dow. Vorbörslich war der Bankwert noch unter Druck gestanden. US-Medien hatten berichtet, der Stress-Test erfordere, dass das Kredithaus zusätzliches Kapital im Volumen von 34 Milliarden Dollar benötigt, um sich gegen die Risiken einer verlängerten und verschärften Rezession abzusichern.
Gefragt war auch die Citigroup (Tagesgewinn plus 16,6 Prozent), die sich laut Medienberichten ungefähr 5 Milliarden Dollar zusätzlich beschaffen muss. JP Morgan (nach Medienangaben kein zusätzlicher Kapitalbedarf) gewann 6,9 Prozent.

Die Erleichterung über die bislang durchgesickerten angeblichen Stress-Test -Resultate führte zu einer allgemeinen Banken-Rallye (plus 8,1 Prozent, diversifizierte und regionale Banken sogar plus 12,7 Prozent), die Dow Jones und S&P 500 mit in die Höhe zogen.

Krise bei den Jobs ausgestanden?

Für Auftrieb sorgte auch ein Bericht der privaten US-Beobachtungseinrichtung ADP Employer Services, der eine merkliche Entspannung am amerikanischen Job-Markt signalisiert. Danach ging die Zahl der Arbeitsplätze in den USA im April „nur noch“ um 491.000 zurück (März: minus 708.000), deutlich weniger als erwartet. Das galt wohl als gutes Omen für den offiziellen Arbeitsmarktbericht der US-Wirtschaftsministerium am Freitag. Sollte der offizielle Bericht den gleichen Trend verzeichnen, wäre das ein weiteres Hoffnungs-Zeichen für den flauen US-Konsum.

Mehr Freude am Konsum?

Auch die Q1-Zahlen von Walt Disney, die über den Erwartungen lagen, führten zu einem Kursfeuerwerk. Immerhin wurde das (relativ gute) Abschneiden des Unterhaltungs-Giganten als ein weiterer Hinweis darauf verstanden, dass sich die Ausgabefreude der Konsumenten - und damit die gesamte Volkswirtschaft - wieder erholt.

Die Konsequenz: Der Dow Jones Industrial Average gewann 1,21 Prozent auf 8.512 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 kletterte 1,74 Prozent auf Punkte. Der technologielastige Nasdaq Composite Index stand dagegen im Schatten der Banken und avancierte nur 0,28 Prozent auf 1.759 Punkte.

Dow Jones Average: Leerverkäufer in der Klemme

Tops:

Der Dow Jones wurde heute von einer Erleichterungs-Rallye bei den Banken angeführt. Dazu trugen vermutlich auch die Leerverkäufer bei, die wegen des Stress-Tests zuvor wieder enorme Positionen (Short Interest) aufgebaut hatten und sich jetzt teilweise eindecken mussten.

Der Top des Dow war die Bank of America mit plus 17,1 Prozent auf 12,69 Dollar. Medien berichteten, dass der Finanzkonzern 34 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital benötigt, um dem Stress Test Genüge zu leisten. Der Bedarf könne aber dadurch abgedeckt werden, dass eine bereits existierende Investition der US-Regierung in die Bank jetzt in gewöhnliche Aktien umgewandelt wird, hieß es.

Citigroup stieg 16,6 Prozent auf 3,86 Dollar. Der Finanzkonzern benötigt angeblich 5 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital. JP Morgan (angeblich kein zusätzlicher Kapitalbedarf) gewann 6,9 Prozent auf 37,22 Dollar.

Walt Disney belegte Platz 3 und stieg 11,8 Prozent auf 25,87 Dollar. Der Medienkonzern legte bereits gestern Abend Q1-Zahlen vor, die über den Erwartungen der Wall Street lagen. Barclays Capital beförderte den Unterhaltungs-Riesen von „Untergewichten“ auf „Übergewichten“ und schraubte das Kursziel von 17 Dollar auf 32 Dollar hoch. Das Konglomerat sei am besten positioniert für die digitale Evolution der Medien, hieß es.

Flops:

General Motors verlor 10,3 Prozent auf 1,66 Dollar. Morgen sind die Q1-Zahlen der Detroiter fällig.

Pfizer sank 2,6 Prozent auf 13,91 Dollar. Der defensive Pharmawert stand vermutlich im Schatten der Banken-Rallye.

Wal-Mart büßte 1,9 Prozent ein und schloss auf 49,51 Dollar. Dort sind morgen die Umsatzzahlen vom april fällig. Zuletzt hatte der Einzelhandelsriese gepatzt.

S&P 500: Schub von den Banken

Der S&P 500 bekam heute Schub von den Banken:

Tops:

Der Banken ETF Financial Spider kletterte 7,96 Prozent.

Goldman Sachs stieg 2,97 Prozent auf 139,22 Dollar.
Morgan Stanley gewann 4,8 Prozent auf 28,51 Dollar.
Die beiden Ex-Investmentbanken brauchen angeblich kein zusätzliches Kapital.

Das gilt angeblich auch für die Regionalbank Bank of New York Mellon Corp., die 11,1 Prozent zulegte und auf 30,46 Dollar schloss.

Die Großbank Wells Fargo braucht dagegen angeblich frisches Kapital, sprang aber dennoch 15,6 Prozent auf 26,84 Dollar.

Flops:

Bei den Einzelhandels-Titeln, die in den Vortagen eine Rallye hingelegt hatten, nahmen einige Marktteilnehmer Geld vom Tisch. Der Anlass war wohl Vorsicht vor den morgen fälligen April-Umsatzzahlen der Ladenbetreiber. Die guten heutigen Job-Daten, die eigentlich Hoffnung für den Konsum machen sollten, wurden daher ignoriert.
Der Kaufhausbetreiber Macy´s verlor 6 Prozent auf 13,73 Dollar.

Nasdaq: Im Schatten der Banken

Die technologielastige Computerbörse stand heute anscheinend im Schatten der Banken. Das galt vor allem für den Schwergewichte-Index Nasdaq 100, der heute unverändert schloss. Dort wurden vermutlich - nach der Ralyle der Vorwochen - Gewinne mitgenommen.

Zu den Ausnahmen zählte Research in Motion. Der Hersteller des Smartphones BlackBerry, gewann 2,2 Prozent auf 77,07 Dollar. JP Morgan beförderte die Kanadier von „Untergewichten“ auf „Neutral“. Der Broker Oppenheimer hob sein Kursziel von 70 Dollar auf 85 Dollar.

Möglicherweise litt der Smartphone-Rivale Apple auch unter der Begeisterung für die BlackBerrys. Jedenfalls verlor der Konumselektronik-Titel heute nachrichtenlos 0,2 Prozent auf 132,50 Dollar. Seit Anfang des Jahres stieg das Papier allerdings 55 Prozent.

Palm verlor sogar 2,2 Prozent auf 11,25 Dollar.

Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, avancierte allerdings 0,7 Prozent auf 270 Punkte.

Internet: Angst vor den Kiosken?

Die an der Nasdaq notierten Flaggschiffe des Internets litten anscheinend unter der heutigen Fokussierung auf die Banken. Möglicherweise wurde ein Teil der hohen Gewinne der Vormonate mitgenommen und die Gelder in die wiederentdeckten Bankpapiere gesteckt.

Amazon.com avancierte 0,11 Prozent auf 81,99 Dollar. Seit Jahresanfang stieg das Papier 59,9 Prozent. Das Novembertief lag bei 34,68 Dollar.
Der E-Commerce-Pionier stellte heute eine neue Version seines E-Book-Readers Kindle vor. Der Kindle DX soll ab Sommer für 489 Dollar verfügbar sein. Der Bildschirm ist wesentlich größer als bei der traditionellen Version (2,5-fach). Das Gerät eignet sich zur Lektüre von Zeitungen, dazu gibt es Deals mit der New York Times, Washington Post und anderen Blättern. Außerdem soll Kindle DX den Lehrbuchmarkt erschließen. Diese Bücher sind derzeit sehr teuer, wegen den hohen Druckkosten und geringen Auflagen. Der Onlinehändler vereinbarte mit verschiedenen US-Universitäten Studienprogramme auf Kindle DX-Basis, die ab Herbst beginnen sollen.

Der Rivale Ebay bröckelte 0,2 Prozent auf 17,15 Dollar.

Die Online-Videothek Netflix fiel nachrichtenlos Prozent auf Dollar. Möglicherweise verunsichern die DVD-Kioske, die von den Konkurrenten eingerichtet werden und möglicherweise Kunden abspenstig macht.

Google verbesserte sich lediglich 0,1 Prozent auf 403,47 Dollar.
Yahoo stieg 0,8 Prozent auf 14,85 Dollar.
Baidu, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, gewann 2,4 Prozent auf 255,67 Dollar.

Wells-Fargo braucht nach Stress-Test 15 Mrd Dollar

Kredit Kein Kommentar »

New York, 06. Mai (Reuters) - Die viertgrößte US-Bank, Wells Fargo(WFC.N: Kurs), benötigt einem Medienbericht zufolge 15 Milliarden Dollar im Zuge des Stress-Tests der US-Regierung. Dies berichtete die Agentur Bloomberg am Mittwoch.

Wells Fargo war bereits in den vergangenen Tagen in Medienberichten als eine der US-Banken genannt worden, deren Kapitaldecke nach Einschätzung der US-Regierung zu dünn ist, um gegen sich nochmals verschlechternde Wirtschaftsbedingungen gewappnet zu sein. Wells Fargo gehört zu den größten Hypotheken-Banken und zeichnet für jeden siebten in den USA vergebenen Haus-Kredit verantwortlich.

Nach Informationen von mit den Gesprächen vertrauten Personen benötigen rund zehn der 19 von der Regierung unter die Lupe genommenen Banken frisches Kapital, um sich gegen mögliche künftige Risiken zu wappnen. Die Regierung wird die Ergebnisse der Tests voraussichtlich am Donnerstag bekanntgeben. Die meisten der Großbanken wollen Kreisen zufolge am Freitag auf Pressekonferenzen die Ergebnisse des Belastungstests erläutern.

(Büro New York, bearbeitet von Ralf Bode, redigiert von Stefanie Huber)

Mit Schulden zum Glück

Kredit Kein Kommentar »

Umgerechnet 30 Euro von einer Bank reichten einer Frau aus Namibia, um eine kleines Unternehmen zu gründen. Heute versorgt sie mit den Gewinnen ihre Großfamilie. Die Kredite hat sie längst abbezahlt

Strom und fliessend Wasser gibt es nicht im Norden Namibias. Gekocht wird auf der Feuerstelle. Haimbodi Ndamononghenda führt ein einfaches Leben. Eine Arbeit hatte sie bis vor vier Jahren nicht, genauso wenig wie ihr Mann. Ohne Einkommen drei Kinder und fünf weitere Mitglieder der Großfamilie zu versorgen, das war schwer für die robuste Frau mit den kantigen Gesichtszügen vom Stamm der Ovambo in dem südwestafrikanischen Land.

Heute ist Ndamononghenda eine erfolgreiche Kleinunternehmerin. Fast jeden Tag verstaut sie Shampoo, Seife und Cremes in einer großen Tasche, läuft von Hütte zu Hütte durch den Busch und verkauft die Sachen. Außerdem besorgt sie sich Stoffe und schneidert dann Kleider daraus. Vom Gewinn bezahlt sie das Schulgeld für ihre Kinder, kauft der Familie Essen - und zahlt einen Kredit zurück. 500 namibische Dollar (umgerechnet 43 Euro) bekam sie vor vier Jahren als Startkapital von einer Art Bank, die sich Koshi Yomuti nennt: “Unter dem Baum” bedeutet das.

Erst hatte sie Angst davor, Schulden zu machen. Wie sollte sie den Kredit zurückzahlen? Über diese Unsicherheit kann Ndamononghenda heute nur lachen. Die Familie ist längst gut versorgt, die 37-Jährige hat große Pläne: Sie will ihr Geschäft vergrößern. Ein Haus möchte sie bauen, in dem sie schneidern kann, und eine Betreuerin für ihre Kinder anstellen, damit sie in Ruhe verkaufen gehen kann.

Erfolg auf Pump. Ohne Schulden wäre das nicht möglich gewesen. Keine Kredite, das bedeutet Stillstand: Ohne Startkapital hilft die beste Geschäftsidee nichts. Daher verleiht die Bank Koshi Yomuti Geld an arme Menschen. Es sind vor allem kleine Summen, man nennt das “Mikrofinanzprojekt”. Koshi Yomuti hat Haimbodi Ndamononghenda und gut 3000 anderen in Nordnamibia eine Lebensperspektive gegeben.

An geliehenes Geld kamen sie zuvor nicht heran. Zu arm sind die Menschen, zu gering die Sicherheiten für eine normale Bank: Ndamononghenda hat kein geregeltes Einkommen, kein Vermögen, kein Haus - also nichts, was die Bank sich nehmen könnte, wenn die Schuldnerin das geliehene Geld nicht zurückzahlt. Zudem lohnt sich das Geschäft mit kleinen Beträgen für Banken kaum - und noch weniger lohnen sich Filialen in der dünn besiedelten Gegend.

Ndamononghenda sitzt in einer runden Holzhütte in der Mittagshitze, zusammen mit 21 anderen, die sich Geld geliehen haben. Ein Mitglied der Gruppe hat sie zu sich eingeladen. Zweige umzäunen das sandige Grundstück mit den vier Hütten. Einmal pro Woche treffen sie sich, um zu besprechen, wie die Geschäfte laufen und wie es mit der Rückzahlung der Kredite aussieht.

Ungewöhnliche Bank. Koshi Yomuti funktioniert anders als normale Banken. Ihr Ziel ist es nicht, möglichst viel Gewinn zu machen. Hinter ihr steckt die deutsche Regierung, in Form der staatlichen Förderbank KfW und der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Sie betreiben Entwicklungshilfe. Außerdem bekommt die Bank Geld von Anlegern, die soziale Projekte unterstützen wollen und bereit sind, geringeren Profit in Kauf zu nehmen. Solche Investoren braucht das Projekt. “Langfristig aber wollen wir ohne Geldgeber auskommen und selbst genug Gewinn machen”, sagt Thomas Lendzian, der die Mikrofinanzbank im GTZ-Auftrag aufbaut.

Das unterscheidet Mikrofinanzprojekte von normaler Entwicklungshilfe: Die Kredite sollen den Menschen helfen, selbst besser für sich sorgen zu können, damit sie irgendwann unabhängig von fremder Hilfe sind. Bisher konzentriert sich Koshi Yomuti darauf, Kredite zu vergeben. Der Plan ist, schon in diesem Jahr eine richtige Bank zu werden, bei der die Ovambo ein Konto einrichten und Geld sparen können. Das tun sie bislang kaum. Sie kaufen sich lieber eine Kuh. Wenn dann etwa Schulgebühren bezahlt werden sollen, schlachten sie das Tier und verkaufen das Fleisch.

Thomas Lendzian, ein bärtiger, gemütlicher Mann, leitet Koshi Yomuti von einem Betonbungalow in der Provinzhauptstadt Odangwa aus. Die Ventilatoren laufen auf Hochtouren im Bungalow, während 20 Kreditsachbearbeiter im Konferenzraum zusammensitzen. Die Angestellten, es sind alles Frauen aus der Gegend, sind sehr wichtig für den Erfolg des Projekts. Sie betreuen die Kreditnehmer. Bevor diese Geld leihen, müssen sie lernen, wie man damit umgeht und wie sie das Geld zurückzahlen können. Die wenigsten sind auf eine höhere Schule gegangen. Dass und wie man mit Geld mehr Geld verdienen kann, hat ihnen bisher niemand beigebracht.

Hohe Zinsen. Tulikemanya Hengobe betreut Ndamononghendas Gruppe. Die hochgewachsene Frau ist in der Gegend aufgewachsen und hat eine höhere Schule besucht. Sie unterhält sich mit den Kunden in ihrer Sprache Oshivambo und mit Thomas Lendzian auf Englisch. Jede Woche fährt sie mit dem Jeep über die holprigen Straßen zur Gruppe. Das ist nicht immer einfach, in der Regenzeit verwandeln sich die staubtrockenen Straßen in Matsch. Hengobe schult den Vorstand der Gruppen, der wiederum neuen Kreditnehmern beibringt, wie man mit Geld umgeht.

Es ist auch der Vorstand, der Rückzahlungen und Zinsen einsammelt. Zinsen zahlen heißt, dass der Schuldner mehr Geld zurückgeben muss, als er sich ausgeliehen hat. Bei Koshi Yomuti sind es ungewöhnlich hohe 35 Prozent. Doch das Geld behält Koshi Yomuti nicht für sich oder seine Anleger, sondern steckt es in das Projekt. Maximal acht Monate Zeit haben Kunden, ihren Kredit zurückzuzahlen.

Hengobe sieht bei ihren Besuchen auch nach, ob es neue Anwärter für einen Kredit gibt. Ob die dann einen bekommen, entscheidet die Gruppe. Sie kennt die Menschen aus der Gegend, weiß meist genau, ob man den Nachbarn vertrauen kann. Die Gruppe hat großes Interesse an einer guten Wahl: Sollte etwa Ndamononghenda ihre Schulden nicht zurückzahlen, müssten die anderen das für sie tun. Betreuung und Gruppendruck funktionieren: Fast nie kommt es vor, dass jemand nicht zahlt. Nur ein kleiner Teil, zwei Prozent der Kunden, gibt das Geld mehr als 30 Tage nach der Frist zurück.

Zuverlässige Kunden. Die Frauen suchen meist Frauen aus. 92 Prozent der Kreditnehmer sind weiblich. Und die Männer? In der Hütte lachen die gut 20 Frauen, bis ihnen die Tränen kommen. “Männer mögen nur Big Business”, sagt eine. Den Männern fehle das Verantwortungsgefühl - sagen die Frauen. Die Verpflichtung, für Kinder und Haushalt zu sorgen, liegt bei ihnen. Das bewahrt die Bank und die Gruppe davor, dass Schuldner verschwinden: “Die Männer können einfach abhauen, auch wenn es kein Essen gibt”, sagt eine Frau.

Es kommt selten vor, aber Koshi Yomuti vergibt auch größere Summen. Wenn die 47-jährige Johanna Angwena heute über ihren ersten 30-Euro-Kredit spricht, erscheint ihr das wenig. “Das war schnell nicht genug für meine Pläne”, sagt sie selbstbewusst. Handy und Geschäftsunterlagen hat sie vor sich auf dem Tisch. Unter einen großen Baum vor ihrem Haus hat sie einen Tisch und ein paar Stühle gestellt. Angwena kocht für Hochzeiten und Beerdigungen, verleiht Zelte, Geschirr und Stühle. Das alles hat viel Geld gekostet. Doch weil ihr Plan aufging, gab Koshi Yomuti ihr mehrmals viel Geld - 10 000, 20 000 namibische Dollar. Und einmal sogar 35 500 Dollar, umgerechnet über 3000 Euro. Da sie mit ihrem Geschäft gut verdiente, konnte sie immer pünktlich zahlen und sich vom Gewinn sogar ein richtiges kleines Haus aus Stein bauen.

Drum herum hat sie mit ihrem Mann eine Mauer errichtet. Die schützt auch das kleine zusätzliche Betonhäuschen, das nicht weit vom Haupthaus entfernt auf dem Grundstück steht. Hier bewahrt sie ihr Geschirr auf. Stolz zeigt sie die Teller und das Besteck, nimmt die Teile sorgfältig in die Hand. Angwena will noch mehr Stühle, Tische und Zelte kaufen, am liebsten möchte sie einmal zehn Mitarbeiter einstellen. Denn sie hat ein großes Ziel: “Meine beiden Kinder sollen einmal studieren können.”

Ausfälle bei Jumbo-Hypotheken bedrohen US-Banken - WSJ

Kredit Kein Kommentar »

NEW YORK (Dow Jones)–Zunehmende Zahlungsausfälle bei großvolumigen Immobilienkrediten lassen in den USA weitere Belastungen für Banken und Investoren befürchten. Bei den so genannten “Jumbo”-Hypotheken waren im Dezember 6,9% der Kredite 90 Tagen und mehr in Zahlungsverzug, wie das “Wall Street Journal” (WSJ - Mittwochausgabe) unter Verweis auf einen Bericht des Research-Unternehmens LPS Applied Analytics berichtet. Im Vorjahr hatte die Quote erst 2,6% betragen.

Als “Jumbo”-Hypotheken werden die Kredite bezeichnet, deren Hypothekensumme über den festgesetzten Obergrenzen der staatlichen Immobilienfinanzier Fannie Mae und Freddie Mac liegt. Im Durchschnitt haben sie ein Volumen von 750.000 USD und können 5 Mio USD erreichen.

Die deutlich steigende Arbeitslosigkeit in den USA in allen Branchen und auf allen Gehaltsebenen wird noch eine Zunahme der Zahlungsausfälle nach sich ziehen. Im Dezember war die Arbeitslosenquote in allen 50 US-Staaten angestiegen, mit den stärksten Zuwächse in Kalifornien und Florida, wo Hausbauer die meisten Jumbo-Hypotheken aufgenommen haben. Die Ausfälle treffen Hypothekengeber heftig, weil die als Sicherheit dienenden Häuser des gehobenen Preissegments in der aktuellen Marktlage außerordentlich schwierig zu verkaufen sind.

Nach Angaben des Fachblatts “Inside Mortgage Finance” haben US-Banken von 2002 bis 2006 jährlich ein Volumen von durchschnittlich 557 Mrd USD an Jumbo-Hypotheken gewährt. In den ersten neun Monaten des Jahres 2008 entfiel knapp die Hälfte des US-Marktes auf drei Hypothekengeber. Chase Home Finance und Washington Mutual, die beide zu J.P. Morgan Chase & Co gehören, vergaben über 25% der Großhypotheken. Bank of America Corp und Wells Fargo & Co. brachten es jeweils auf einen Anteil von 11%.

Nach Ansicht einiger Analysten könnte die Kreditklemme zusätzliche Zahlungsverzüge bei Großhypotheken nach sich ziehen, da die Refinanzierung erschwert werde. Credit Suisse hat berechnet, dass im September 2008 fast 25% der “Jumbo”-Hypotheken den Wert der Häuser überstiegen. Ginge man von einem weiteren Preisverfall von 15% im den nächsten zwei Jahre aus, würde der Anteil sogar auf 42% der Hypothekenkredite steigen.

Die Zahlungsverzugs-Quote bei “Jumbo”-Hypotheken liegt allerdings noch immer deutlich unter jener für Subprime-Hypotheken mit geringer Bonität und den”Alt-A”-Krediten mit mittelguter Bonität. In beiden Bereichen liegt die Verzugsquote derzeit über 17%.


Copyright © 2007 AlleKredit.com. All rights reserved.